Verlag BoD - Books on Demand, Hamburg
Erscheinungsjahr 2026
ISBN 978-3-6967-4267-6
Format 15,2 x 22 cm, farbig bebildert
Umfang 130 Seiten
Preis Buch 14,90 €
Preis eBook 6,99 €
Die Straße windet sich durch Olivenhaine, vorbei an Feldern mit roten Zwiebeln. Dann, hinter einer Kurve, öffnet sich der Blick: ein Felsen, der steil aus dem Meer wächst, gekrönt von einer Altstadt aus hellem Stein. Davor das Tyrrhenische Meer in einem Blau, das kaum echt wirkt.
Dieses Buch ist beides zugleich: Reiseführer und Liebeserklärung. Es erzählt die lange Geschichte Tropeas, von Herkules über Normannen und Erdbeben bis heute. Es führt durch Gassen und Piazzen, hinauf zu Santa Maria dell'Isola und hinaus an die Costa degli Dei.
Kalabrien: ein Land zwischen zwei Meeren
Tropea: Geschichte, Altstadt, Santa Maria dell'Isola, Strände, Tropea bei Nacht
Tropea auf dem Teller: rote Zwiebel, ’Nduja, Tartufo und Bergamotte
Elf Ausflüge ins Umland, von Parghelia bis zu den Bronzi di Riace
Wandern am Capo Vaticano, Bootstouren und die Äolischen Inseln
Feste, Traditionen und die Geschichte der Madonna di Romania
Praktischer Reiseteil mit Anreise, Reisezeit und kleinem Glossar
Ein erster Spaziergang durch die Altstadt, bis zum Platz der Seufzer.
Auszug (aus Kapitel 2):
Beim ersten Anblick von Tropea ahnt man lange nicht, was einen erwartet. Die Straße windet sich durch Olivenhaine und kleine Dörfer, vorbei an Feldern mit den berühmten roten Zwiebeln, an Agaven und Kakteen am Straßenrand. Dann, hinter einer Kurve, öffnet sich der Blick: ein Felsen, der steil aus dem Meer wächst, gekrönt von einer Altstadt aus hellem Stein, davor das Tyrrhenische Meer in einem Blau, das kaum echt wirkt. Dieser erste Anblick erklärt sofort, warum Tropea seit Langem als „Perle“ bezeichnet wird, und warum diese Perle ihre Schönheit mit einer gewissen Widerstandskraft verbindet.
Die Altstadt von Tropea lässt sich am besten zu Fuß entdecken, planlos und ohne festes Ziel. Von der Piazza Ercole, benannt nach eben jenem Herkules der Gründungslegende, führen enge Gassen (die vaneddhe, wie sie im lokalen Dialekt heißen) in alle Richtungen. Immer wieder öffnen sich unerwartete Ausblicke aufs Meer, oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet: zwischen zwei Hausfassaden, am Ende einer Treppe, hinter einem unscheinbaren Torbogen.
Der vielleicht schönste Ausblick der ganzen Altstadt liegt am Largo Migliarese, besser bekannt unter seinem Beinamen Affaccio dei Sospiri, der Platz der Seufzer. Der Name geht auf eine alte Erzählung zurück, wonach Frauen, die hier vorbeikamen, angesichts des Blicks auf Santa Maria dell’Isola unwillkürlich seufzen mussten.
Die Alten in der Altstadt erzählen die Geschichte gern ein bisschen ausführlicher. Früher, heißt es, seien die Frauen aus den Fischerhäusern gerade in dem Moment hier vorbeigekommen, in dem die Boote ihrer Männer am Horizont sichtbar wurden, oder eben nicht. Der Blick auf Santa Maria dell’Isola und das offene Meer dahinter war der erste, an dem man erkennen konnte, ob alle heimkehren würden. Manche sollen hier gestanden und gebetet haben, andere nur schweigend geseufzt, wie der Name es bis heute festhält. Wie viel davon wirklich so war und wie viel sich im Erzählen über die Generationen dazugefügt hat, weiß niemand mehr genau, aber wer selbst einmal dort steht und aufs Meer blickt, versteht schnell, warum diese Geschichte an genau diesem Platz hängen geblieben ist.
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